Referat: am 19.01.2001 in der Erlöserkirche
"Christ sein in Gütersloh" |
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von Sabri Aydin, Pfr.
Meine Damen und Herren,
die syrisch-orthodoxe Kirche ist in Gütersloh längst keine Unbekannte mehr. Dennoch zählen wir nicht zu den alt-eingesessenen Konfessionen Deutschlands. Unsere Geschichte und Herkunft führt in gerader Linie, also ohne missionarische Vermittlung, bis zu den Aposteln und an die Wiege des Christentums im antiken syrischen Raum und in seiner alten Hauptstadt Antiochien, wo die Christen erstmals (Christen) genannt wurden - Apostelgeschichte: 11, 26. Aber hier in Deutschland ist unsere Kirche keine dreißig Jahre alt; in Gütersloh ist sie wohl die jüngste. Und vielen unserer Mitchristen hier ist immer noch nicht klar, dass wir Christen sind und unsere Gotteshäuser Kirchen und nicht Moscheen. Als kostbares Erbe unseres frühchristlichen Ursprungs bewahren wir eine altkirchliche Liturgie in aramäischer Sprache, der Sprache Jesu und seiner Jünger; und die Muttersprache der meisten von uns ist Turyoyo, ein aramäischer Dialekt.
Mit Gottes Hilfe ist es unseren Eltern und Vorfahren gelungen, durch 13 Jahrhunderte islamischer Herrschaft, unter harter Bedrückung und meist in Armut Jesus und seinem Evangelium treu zu bleiben. Hier müssen wir nun mühsam lernen, dass es in Freiheit und Wohlstand, in einem christlich geprägten Land, für uns wie für unsere deutschen Mitchristen vielleicht sogar noch schwerer ist, den lebendigen Glauben weiterzugeben! Unter den alten heimatliche Verhältnissen war unser Familienleben und somit das Glaubensleben von lauter Selbstverständlichkeiten bestimmt. Die scharfe
Grenze zwischen aramäisch-christlicher Minderheit und türkisch- oder kurdisch-muslimischer Mehrheit ließ beim einzelnen Christen keine Zweifel an seiner Kirchenzugehörigkeit aufkommen. Häufiger Kirchgang, Wallfahrten ins Kloster und lange Liturgien waren selbstverständlich. Das Feiern der großen Feste und das Fasten davor waren selbstverständlich. Frühe Heirat und Kinderreichtum warendie Regel. Eine Ehescheidung unter Christen gab es zu meiner Zeit im Tur Abdin, also im Umkreis von 50 Kilometern, nur ein einziges Mal.
Seit wir ab 1972 nach Gütersloh und Umgebung kamen, erfuhren wir von Seiten der katholischen und der evangelischen Kirche unschätzbare Hilfe, angefangen damit, dass uns ihre Kirchen zur Liturgiefeier und Räume zu Unterricht und Versammlung öffneten, solange wir keine eigenen Kirchen und Räumlichkeiten hatten. Wir bekamen gleich die weitentwickelte ökumenische Atmosphäre zu spüren, die in Deutschland herrscht, und wir freuen uns, am Miteinander der Kirchen hier längst beteiligt zu sein. Ich brauche das jetzt nicht breiter auszuführen. So gesehen können wir
sagen, dass für uns die Ziele einer Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen schon vor einer möglichen eigentlichen Gründung in Gütersloh weitgehend erreicht sind.
Seit über 20 Jahren nimmt die Syrisch-Orthodoxe Kirche Gütersloh am ökumenischen Gottesdienst der Nationen teil:
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