Jugendgottesdienst an Christi Himmelfahrt
Donnerstag, 29.05.2003, 09:30 Uhr |
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Zum Jugendgottesdienst an Christi Himmelfahrt waren vom Gemeindepfarrer S. Aydin, dem Kirchenrat, der Frauengruppe sowie dem Jugendverein alle Jugendlichen herzlich eingeladen. Es nahmen etwa 80 Jugendliche daran teil. Der Gottesdienst fand auf Deutsch und Aramäisch statt. Es wurden verschiedene Lieder gesungen sowie Fürbitten vorgetragen. Eine besondere Predigt (vorgetragen von Pfr. Aydin) über den verlorenen Sohn fand auf Deutsch statt:
Liebe Junge Menschen! Als ich an meinem Schreibtisch saß und darüber nachdachte, wie ich wohl am Besten mit dieser Predigt vom Gleichnis des verlorenen Sohnes beginnen könnte, fiel mir ein, dass ich vor 31 Jahren meine Heimat verlassen habe und im April 1972 nach Gütersloh kam. Deshalb weiss ich, was Fremde bedeutet und kann die Situation des verlorenen Sohnes besser verstehen.
Des öfteren spricht Jesus in Gleichnissen zu seinen Jüngern und zum Volk, das ihm zuhört. Gleichnisse sind Erzählungen, Beispielgeschichten, die eine bestimmte Wahrheit unseres Glaubens und unserer Gottesbeziehung bildhaft verdeutlichen. Es ist dabei wichtig, einerseits den von Jesus erzählten Inhalt des Gleichnisses wahrzunehmen und andererseits zu wissen, was mit dem Gleichnis gemeint ist, worauf es also abzielt und wo die Grenzen des Vergleichs liegen.
Es war gewiss leichtsinnig vom jüngeren Sohn, das ihm zustehende Vermögen seines Vaters durch ein zügelloses Leben zu verschleudern. Er hielt sich in einem fernen Land auf, denn die Nähe des Vaters wäre ihm wahrscheinlich ein steter Vorwurf gewesen. Er kam gar nicht auf die Idee, nach den tieferen Werten seines Menschseins zu fragen - so lange es ihm gut ging. Sein Vermögen brachte er mit Dirnen durch, er führte ein Leben ohne Skrupel, nur auf Genuss und Leidenschaft ausgerichtet.
Aber andererseits: Der Sohn war schon erwachsen, wir würden sagen volljährig. Er musste lernen, auf eigenen Beinen zu stehen und für sich selbst und andere Verantwortung zu übernehmen. Der Vater konnte ihm nicht alle Entscheidungen abnehmen. Und so respektierte der Vater seinen Willen, als der Sohn erklärte, von daheim weggehen zu wollen, auch auf die Gefahr hin, dass es schiefging. - Lässt uns nicht auch Gott im Himmel viel Freiheit, die wir Menschen freilich nicht immer recht nutzen, sondern in Sünde und Gottlosigkeit missbrauchen?
Da erinnert er sich des Hauses seines Vaters: Wie gut hatte er es dort gehabt, und wie gut haben es selbst noch die Tagelöhner und Knechte seines Vaters! Er beschloss, sich aufzumachen und zurückzukehren, wissend, dass er es nicht länger wert ist, Sohn eines solchen Vaters zu heissen, und bereit, sich mit einer geringeren Stellung zufriedenzugeben.
Einen gibt es freilich, der sich nicht so recht mitfreuen will und der dem Vater Vorhaltungen macht wegen seiner großen Barmherzigkeit gegenüber dem Zurückgekehrten: Der daheimgebliebene, "brave" Sohn. Er ist plötzlich neidisch auf den heimgekehrten Sohn und vergönnt ihm nicht die Wiedereinsetzung in die Sohnesrechte. Sein Vater aber redet dem älteren Sohn gut zu und lädt ihn ein zum Mahl. Wird er seine Neidgefühle überwinden? Gelingt ihm die Bekehrung? Wir sehen ganz deutlich: Nicht nur der "verlorene Sohn" hat die Umkehr nötig, sondern vielleicht noch mehr der daheim gebliebene, der sich selbstgefällig seiner eigenen Gerechtigkeit rühmt und voll Verachtung auf jenen schaut, der versagt hat.
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