Neue Westfälische, Gütersloher
Ausgabe vom 27.05.2005

 

Gäste immer gern gesehen

Begegnung mit der syrisch-orthodoxen Gemeinde St. Stephanus

Gütersloh (NW). "Gäste werden in unserer Gemeinde immer gern gesehen", betont Pfarrer Sabri Aydin. Und die kamen auch zahlreich in die Räume der syrisch-orthodoxen Gemeinde St. Stephanus an der Hohenzollernstraße. Dort fand die vom Rat für Integration initiierte zweite Veranstaltung der Reihe "Begegnungen mit ..." statt.

Vertreter aus Politik, Verwaltung, Kirche, Schule und den Sozialbereichen waren es, die zuerst an einem syrisch-orthodoxen Gottesdienst in der Kirche teilnahmen und sich anschließend in geselliger Runde an aramäischen Speisen labten. "Wir sind eine lebendige Gemeinde in der Stadtmitte", sagt Pfarrer Aydin während des Gottesdienstes. Gegenseitiges Verständnis und Achtung voreinander stünden im Vordergrund, ein guter Dialog und Gedankenaustausch ebenfalls. Daher stehe die Kirche immer für jeden offen, fügt er hinzu, denn: "Es macht uns Freude, Gäste zu begrüßen."

Im November 1986 wurde die Kirchengemeinde in Gütersloh gegründet - knapp 14 Jahre, nachdem laut Aydin die ersten Aramäer syrisch-orthodoxen Glaubens in die Dalkestadt gekommen waren. 1988 wurde das Gotteshaus der St. Maria-Gemeinde in der Eichenallee und im Oktober 1987 die zweite Gütersloher Gemeinde an der Hohenzollernstraße eingeweiht. Für rund 600.000 D-Mark hatte die Gemeinde das Gebäude an der Hohenzollernstraße 53 erworben und es zu einer Kirche umgebaut.

1988 wurde der inzwischen fertiggestellte Gemeindesaal eingeweiht. Er erhielt den Namen quot;St. Stephanus-Saal". Im Juli 1988 wurden Pläne und Baukosten für die Fertigstellung des Gemeindezentrums, das neben dem Gemeindesaal den Kirchenraum, Räume für die Gemeinde- und Jugendarbeit und entsprechende Außenanlagen aufweist, vorgelegt. Unmittelbar nach Klärung der Gesamtfinanzierung des Projektes, das größtenteils durch Eigenleistungen der Gemeindemitglieder sowie Spenden finanziert wurde, begannen die Renovierungs- und Umbauarbeiten. Am 9. Dezember 1990 wurde die St. Stephanus-Kirche durch Erzbischof Julius Jeschu Cicek eingeweiht. Seither besuchen mehrere Gruppen von Frauen und Männern verschiedener Gemeinden sowie Lehrer mit ihren Schülern die Kirche. "Das wäre alles nicht möglich gewesen, hätte uns die Stadt damals nicht eine schnelle Baugenehmigung erteilt", lobte Pfarrer Aydin die Stadt, für die neben Bürgermeisterin Maria Unger auch der Ausländerbeauftragte Eckhard Sander sowie der Vorsitzende des Rates für Integration, Adnan Genc, anwesend waren.

Zwischen 50 und 70 Gläubige fänden sich allabendlich zum Abendgebet in der Kirche ein, zur Fastenzeit seien es bis zu 400, sagt Aydin. Neben einem Kirchenrat hat die Gemeinde zudem einen aramäischen Volksverein, einen Jugendverein sowie eine Frauengruppe. Insgesamt leben laut Aydin allein in Gütersloh etwa 900 aramäische Familien. Neben der St. Stephanus-Kirche gibt es in Gütersloh zwei weitere Gemeinden: Die St. Maria-Gemeinde in der Eichenallee und die St. Lukas-Kirche.

Die nächste Begegnung ist geplant für Freitag, den 17. Juni 2006, in der griechisch-orthodoxen Gemeinde Hl. Therapon an der Oststraße.

 

© St. Stephanus-Kirche 2007